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Die Geschichte der Norddeutschen Mission erzählt

Zur Geschichte der Norddeutschen Mission

Als im Jahre 1819 in Bremen der erste Missionsverein gegründet wurde und ihm bald weitere in norddeutschen Städten und Dörfern folgten, war dies ein Zeichen des Glaubens frommer und leidenschaftlicher Christen, die in der spezifischen Glaubensrichtung der Erweckungsbewegung, des Pietismus, Motivation und Ausrichtung gefunden hatten. Ihr geistliches Konzept war geprägt von einem „Kampf des Lichts wider die Finsternis der Gottlosigkeit“ und von der Begeisterung dafür, die gute Botschaft Jesu Christi in Wort und Tat in die durch Industrialisierung und zunehmenden Welthandel bekannter gewordene weite Welt zu tragen. So entstand die „äußere Mission“ zeitgleich und aus denselben Wurzeln wie die Diakoniebewegung der „inneren Mission“.

1836 wurde in Hamburg die „Norddeutsche Missions-Gesellschaft“ (NM) als Zusammenschluss lutherischer und reformierter Missionsvereine gründet. Diese Offenheit war auch für die fernere Zukunft Bahn brechend: „Hiesige Konfessionsunterschiede sollten nicht in die Heidenwelt getragen werden.“  Nach anfänglichen Initiativen in Neuseeland und Indien, die nicht langfristig weiter verfolgt worden sind, wurden die ersten Afrika-Missionare ab 1847 an die Westküste Afrikas ausgesandt. Die dort entstehende Kirche im Bereich des Ewe-Volkes sollte sich „unter der Leitung des Herrn eigentümlich gestalten“ .
Die Missionare waren bei aller Fremdheit und ihrem europäischen Überlegenheitsgefühl auch geprägt von einem tiefen Interesse für die Kultur des „Missionsfeldes“. Sie lernten die Ewe-Sprache, übersetzten Bibel und Gesangbuch, bildeten afrikanische Lehrer und „Gehilfen“, später Katechisten und Pastoren aus, die besser als sie selbst den christlichen Glauben in die Welt der Ewe übersetzen konnten.

Die afrikanische Religion und Kultur wurde aber weithin negativ als Finsternis und Sünde wahrgenommen, aus welcher die Afrikaner zum Licht und Heil des christlich-europäisch geprägten Lebens geführt werden mussten. So wurde zum Beispiel die afrikanische Beerdigung mit ihrem intensiven Wehklagen, ihrem Tanzen und auch wildem Schießen scharf als Ausdruck größter Finsternis und tiefen Gefallenseins verurteilt. Den afrikanischen Christinnen und Christen wurde strikt unter Androhung des Ausschlusses aus der christlichen Gemeinschaft untersagt, an afrikanischen Beerdigungen teilzunehmen. Dieses Verbot konnten die Missionare allerdings nicht durchhalten, jedoch blieb es ein ständiger Streitpunkt. Später, als die afrikanischen Kirchen selbständig und selbstbewusster wurden, entwickelten sie ein entkrampftes Verhältnis zur eigenen Kultur und traditionellen Lebensweise. Auch die Partnerkirchen in Deutschland lernten, die afrikanische Kultur mit anderen Augen zu sehen und zu verstehen.

„Nach sieben Jahren und sieben Gräbern – sieben Getaufte“ war die ernüchternde Bilanz der ersten Jahre der Mission. Sie war von viel Leid, tödlichen Krankheiten und kriegerischen inter-ethnischen Auseinandersetzungen geprägt, im Zuge derer die ganze Missionsarbeit bedroht war. Die wichtigste Missionsstation in Ho im heutigen Ghana musste sogar für sechs Jahre ganz aufgegeben werden. Der Aufbau der Mission war unter anderem geprägt von der sukzessiven Gründung neuer Missionsstationen von der Küste in Richtung Hinterland, jeweils mit Schulen – zum Teil als Internate geführt – , handwerklicher Ausbildung – im Interesse der eigenen Bautätigkeiten – , und zunächst spontaner und dann zunehmend organisierter Hilfe im Gesundheitsbereich.

Schon bald arbeiteten neben den Missionaren auch Frauen mit, vor allem im Erziehungswesen der Mädchen: Ehefrauen der Missionare, Diakonissen und Missionsschwestern. Allerdings blieben die Frauen von den Konferenzen der Missionare ausgeschlossen. Die zahlenmäßigen Erfolge der Mission stellten sich insbesondere ein, als die ausgebildeten einheimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunehmend auf den Missionsstationen als Lehrerinnen/Lehrer und Katechistinnen/Katechisten in die Missionsarbeit eingebunden wurden. Von 1875 bis 1900 stieg die Zahl der deutschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mission von acht auf 33, die der afrikanischen Mitarbeitenden von acht auf 63, die Zahl der getauften Christen stieg von 148 auf 2616 und bis 1913 auf 11 341.

Seit der Aufteilung Afrikas durch europäische Staaten (Berliner Kongo-Konferenz 1884) war die NM an der britischen Goldküste Fremd- und im deutschen Togo Nationalmission. In diesem kolonialen Spannungsfeld versuchte sie zunächst ihre Unabhängigkeit gegenüber der deutschen Regierung zu bewahren. Unter ihrem Leiter Missionsinspektor Franz Michael Zahn (Amtszeit 1862-1900) fiel die NM durch eine kolonialkritische Haltung auf, von der engagierte Eingaben wegen des kolonialen Brandweinhandels im deutschen Reichstag zeugen. Später vollzog sich unter dessen Nachfolger August Wilhelm Schreiber (Amtszeit 1900-1924) ein Kurswechsel hin zu einem Selbstverständnis als Mission in und für die Nation und damit zu einer unkritischen Haltung gegenüber der deutschen Kolonialmacht.

Ein einschneidender Wendepunkt war der Erste Weltkrieg. Die Schuld am Krieg lag für die Mission eindeutig bei den Alliierten, und die Niederlage Deutschlands wurde als Verlust wahrgenommen, da die deutschen Missionare schon 1914 des Landes verwiesen und interniert wurden und nach dem Krieg zunächst nicht zurückkehren durften. Das Volk der Ewe, die im Süden der deutschen Kolonie „Togo-Land“ siedelten, wurde mit der Aufteilung der Kolonie in britisches und französisches Mandatsgebiet politisch getrennt.

Für die junge Kirche bedeutete diese Situation eine zunächst unerwünschte, dann aber doch konsequent verfolgte Selbstständigkeit. Trotz der territorialen Trennung in einen französischen und einen britischen Verwaltungsbereich des Mandatsgebietes beschlossen die afrikanischen Vertreter der Missionsstationen und Gemeinden auf einer großen Synode in Kpalimé 1922 die Einheit der Kirche. Sie verabschiedeten eine gemeinsame Verfassung für die „Evangelische Ewe-Kirche“, wählten eine eigene Kirchenleitung und den erfahrenen Pastor Andreas Aku zum ersten Moderator der Gesamtkirche. Pastor Robert Baëta wurde Synodalsekretär der Teilsynode im französischen und Pastor Robert Kwami Synodalsekretär der Teilsynode im britischen Mandatsgebiet. Eine wichtige Aufgabe sah die Synode in der Ausbildung eigener kompetenter Katechisten und Pastoren für Leitungsaufgaben in den Gemeinden und Kirchen.

Durch Vermittlung der Norddeutschen Missions-Gesellschaft übernahmen die Schottische und die Pariser Mission die Arbeit in den ursprünglichen Missionsgebieten der Ewe. Die Missions- und Entwicklungsarbeit unter den Völkern des Nordens, den Kabye (Togo) und Konkomba (Ghana) ist maßgeblich von ihnen initiiert und begleitet worden. Hierdurch konnten aus einer Volksmission der Ewe in beiden Verwaltungsbereichen eigenständige multi-ethnische Kirchen entstehen.

Die Beziehungen der NM zu „ihrem Missionsfeld“ wurden weiter durch finanzielle Unterstützung, regen Briefkontakt, wechselseitige Besuche und seit 1923 durch die Wiederaussendung von Missionaren im britischen Verwaltungsbereich wahrgenommen. Großes Aufsehen erregte der erste Besuch in Deutschland von Pastor Robert Kwami im Jahre 1932, der vor allem in Oldenburg von den Nazis heftig bekämpft wurde und der durch sein mutiges öffentliches Auftreten viele Gemeindeglieder in ihrem Glauben stärkte.  
Während des Zweiten Weltkrieges kam die Arbeit der Norddeutschen Mission nahezu gänzlich zum Erliegen. Während die Missionare, die bis 1939 noch im britischen Teil Togos hatten arbeiten können, interniert und anschließend z.T. bis nach Amerika evakuiert wurden, konnte auch die Arbeit „in der Heimat“ nicht weitergeführt werden. Der 1937 gewählte Direktor Erich Ramsauer, Mitglied der Bekennenden Kirche, wurde schon zu Kriegsbeginn eingezogen. Bemerkenswert aus dieser Zeit ist die Tatsache, dass der den Deutschen Christen angehörende Missionsinspektor Ernst Reinke wegen seiner „Nähe zum Dritten Reich“ als nicht mehr tragbar für die NM eingeschätzt wurde und 1934 in seine Herkunftskirche nach Hamburg zurückkehrte.

Nach 1945 zeugen Besuche der Kirchenleitung aus Afrika und ein reger Briefkontakt von dem Bemühen des Vorstandes, die Beziehungen zum Missionsfeld in Afrika zu erhalten und wieder neu zu gestalten, was schließlich mit Hilfe amerikanischer Christen durch die Entsendung ei¬nes Tropenmediziners nach Hohoe, Ghana gelang. Gleichzeitig wurden über befreundete Missionswerke und die sich entwickelnde Ökumenische Bewegung Kontakte zu neuen Missionsfeldern gesucht. 1953 entsandte die NM über das Japan-Komitee Deutscher Missionen Mitarbeiter in die Lutherische Kirche und die Vereinigte Kirche Japans, die sich ausgesprochen selbständig in den Bereichen der Diakonie und der theologischen Fortbildung engagierten. 1971 wurde die noch bestehende Japanarbeit an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Braunschweig übergeben.

Im Zuge des Kampfes um die politische Selbstständigkeit (Ghana 1957 und Togo 1960) entwickelten die afrikanischen Kirchen ein neues Selbstbewusstsein und ihre endgültige Selbstverwaltung. „Das ganze Evangelium für den ganzen Menschen“ formulierte die togoische Kirche diesen Aufbruch zu sozialer, wirtschaftlicher und politischer Verantwortung. Sie nahm viele neue Arbeitsfelder vornehmlich im ländlichen Raum auf und entwickelte sie zielstrebig weiter. In beiden Ländern arbeiteten wieder von der NM ausgesandte Pastoren, nun aber als ökumenische Mitarbeiter und Entwicklungshelfer der neuen Evangelischen Entwicklungszusammenarbeit.

Gleichzeitig wurden in den Kirchen unterschiedliche theologische Ansätze für eine Inkulturation des Glaubens entwickelt, die mit einem intensiven Studium der kulturellen und religiösen Wurzeln der Menschen verknüpft waren. In Ghana entwickelte der amtierende Moderator die „Melagbe (Leben)-Theologie“, die afrikanische Weisheit und biblische Tradition miteinander zu verknüpfen versuchte. Sie war allerdings in der eigenen Kirche heftig umstritten, nicht wegen der Verbindung zwischen christlicher Überlieferung und afrikanischer Lebens- und Glaubensweise, sondern wegen einer einseitigen Orientierung mit neuen Symbolen. Und als eine pfingstlerisch-charismatische Bewegung mit ihren impulsiven Ausdrucksformen des Glaubens zunehmend Anhänger anzog, führte dies schließlich zu einer Kirchenspaltung, nach der zahlreiche Gemeindeglieder eine neue unabhängige Kirche gründeten. In Togo entwickelte sich die „Animation Théologique“ als Instrument dafür, ein afrikanisches Verständnis zentraler Glaubensinhalte (Taufe, Gemeinschaft, Abendmahl, Versöhnung usw.) an der kirchlichen Basis der Gemeinden zu kommunizieren.

Die heutige Norddeutsche Mission und ihre deutschen Trägerkirchen und Gemeinden beteiligten sich intensiv an der praktischen Unterstützung der Missions- und Entwicklungsarbeit. Die gemeinsame Verantwortung für das Missionswerk wurde durch einen Vertrag im Jahre 1980 fest verankert. Gleichzeitig wuchs im Norden wie im Süden das Interesse, Solidarität auch als gemeinsamen Lernprozess zu betrachten. Partnerschaftsgruppen begannen, sich gegenseitig zu besuchen, Begegnungsreisen und theologische Konsultationen dienten der Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses von Glaube, Entwicklung und Kultur. Dazu gehören auch lebhafte Diskussionen über unterschiedliche Sichtweisen.
Ihre Themen spiegeln die theologischen wie auch die entwicklungspolitischen Herausforderungen der Kirchen wieder.

Dieser Prozess des intensiven Austauschs und der Integration führte im Jahre 2001 dazu, dass die beiden afrikanischen Kirchen in Ghana und Togo und die vier deutschen Kirchen - die Bremische Evangelische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Evangelisch-reformierte Kirche und die Lippische Landeskirche - gleichberechtigt in allen Gremien der Norddeutschen Mission nach einer neuen Satzung vertreten sind. Damit hat sich endgültig die Perspektive der Mission geändert, die sich nun darum bemüht, einander in den verschiedenen kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Kontexten missionarisch zu unterstützen.

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