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26.04.2022

Die Mülldeponie am Ziegenmarkt

Alltagsszenen aus Lomé/Togo

Dr. Emmanuel Noglo war von 2013 bis 2015 Bildungsreferent bei der Norddeutschen Mission. Heute ist er Leiter der Akademie Bilimon, an der politische Bildungsarbeit für und mit Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren in Togo, Burkina Faso und im Niger organisiert wird. In einer Reihe der taz (tageszeitung) über „Klima, Klasse und Krieg“ schreibt er in der Ausgabe vom 9./10. April 2022 über die verwaiste Eisenbahnstrecke in Lomé und die angrenzende Mülldeponie. Wir geben den Artikel hier im Wortlaut wieder.

Deutschland baute als Kolonialmacht 1907 in Togo die dritte Eisenbahnstrecke des Landes: Atakpamé – Lomé, genannt die „Baumwoll-Bahn“. Der Name verrät bereits die Funktion, die diese Strecke hatte, nämlich die Auslieferung von Rohstoffen, hauptsächlich Baumwolle, Kakao, Kaffee, Palmöl und Kautschuk in die Metropolen. Zunächst nach Deutschland, dann, nachdem Deutschland den Ersten Weltkrieg verloren hatte, nach Frankreich und England.

Heute durchquert die Ruine dieser Eisenbahnstrecke den Ziegenmarkt von Lomé, der Hauptstadt von Togo. Auf dem Markt wird unter anderem auch mit Secondhand-Kleidern gehandelt. Jährlich werden 65.000 Tonnen dieser gebrauchten Kleidungsstücke nach Togo geliefert. Hauptsächlich sind es entsorgte Kleider aus dem globalen Norden. Viele Togoer leben von diesem Handel.

Neben dem Markt und der Eisenbahnruine liegt ein See, dessen Schönheit von einer wilden Mülldeponie kaschiert wird. Der Gestank wird von der „Klasse“, die auf dem Markt handelt und einkauft, ignoriert. Gedanken ans Klima macht sich hier auch keiner.

Und apropos Klasse, bereits der Bau dieser Eisenbahnstrecke erschuf Klassen: die Zwangsarbeiter und die koloniale Elite. Die Eisenbahn hatte demzufolge vor Ort nie wirklich Fuß gefasst. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum heute kein tatsächliches Interesse daran besteht, die Eisenbahnstrecke wieder neu zu nutzen? Jedenfalls wird jeden Morgen mehr und mehr Müll auf die wilde Müllbergdeponie geworfen. Der Gestank des Müllbergs neben dem schönen See beim Ziegenmarkt scheint niemanden zu stören: Die kleine Elite wohnt in der Regel nicht besonders nah am Müllberg und die „Klasse“ vom Ziegenmarkt kämpft letztendlich um das eigene Überleben. Es ist keine Zeit, den Müllberg am See wahrzunehmen.

Erst mal heißt es: Rette sich, wer kann, und erst dann könnte vielleicht das Interesse überhaupt entstehen, der Eisenbahnstrecke eine neue Bedeutung zu geben. Diese Umdeutung könnte auch den idyllischen See am Müllberg wieder zum Vorschein bringen. Das Interesse an Klima und Umwelt ist möglicherweise eine Klassenfrage.

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