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28.04.2022

Zwei Seiten einer Medaille?

Kooperationstagung „Kolonialismus und Mission revisited“

Vom 4. bis 6. April fand unter der Leitung von Dr. Anton Knuth (Missionsakademie Hamburg) und Dr. Almut Nothnagle (EMW) im Haus der Missionsakademie Hamburg die Kooperationstagung „Kolonialismus und Mission revisited“ statt, an der sich insgesamt 45 Menschen Online und in Präsenz beteiligten. Aus ganz Deutschland und darüber hinaus kamen Menschen zusammen, um miteinander über die Rolle der Mission im Zusammenhang mit der Kolonialgeschichte ins Gespräch zu kommen. Paul Brockmann, Soziologie-Student und zurzeit Praktikant in der Geschäftsstelle der NM war auch dabei und schildert hier seine Eindrücke.

Stellt man sich die Frage, wie sich die Missionswerke in Deutschland selbst betrachten und was sie als ihren Auftrag auffassen, so konnte die Tagung darauf eine interessante Antwort geben. Wie der Titel schon verrät, wurde in den drei Tagen ein für die Missionswerke selbst nicht ganz einfaches Thema besprochen. Das Standing, welches man als Organisation innerhalb der Gesellschaft und der Kirche selbst hat, wurde daher häufiger thematisiert und blieb auch nicht vor kritischer Selbstreflexion verschont. Zur Diskussion anregende Impulse wurden von den missionsexternen Referenten Dr. Sebastian Justke (Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Uni Hamburg) und Prof. Lothar Käser (Institut für Ethnologie, Uni Freiburg) beigesteuert, welche von den Mitarbeiter*innen der Missionswerke überwiegend positiv wahrgenommen wurden und die Gespräche zum kolonialen Erbe der Missionen in eine andere Perspektive rückten. Die Vorträge von Prof. Falres Ilomo (University of Iringa, Tansania) und Maraike Bangun (Missionakademie Hamburg/Jakarta, Indonesien) brachten eine internationale Perspektive ein, sodass berechtigterweise nicht nur Menschen des globalen Nordens über die vorliegende Problematik debattierten.

Das Programm der Tagung verlangte von den Teilnehmenden dabei einiges an Sitzfleisch und Hirnschmalz: Ohne Frage stellen neun Vorträge in weniger als 48 Stunden mit anschließenden Frage- und Diskussionsrunden sowie Gruppenarbeiten ein straffes Programm dar. Doch ließen sich die Teilnehmenden zum großen Teil davon nicht beirren und zeigten mit einer großen Zielstrebigkeit, Konzentrationsfähigkeit und Diskussionsfreudigkeit ihre Leidenschaft für das Thema und damit auch die Bereitschaft zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. So waren auch nach dem offiziellen Programm die Themen der Vorträge sowie damit verwandte Themen Gegenstand des ein oder anderen Gesprächs am Frühstückstisch und beim weiteren Austausch in den Abendstunden. Die Generalsekretärin der Norddeutschen Mission Heike Jakubeit konnte mit ihrem Vortrag "Mission #Decolinize in der Norddeutschen Mission" gegen Ende des zweiten Tages nochmal einen wichtigen Akzent setzen. Mit dem Konzept des transkulturellen Gedächtnisses in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Partnerschaftsgemeinden im globalen Süden wie auch der Diaspora-Gemeinden in Deutschland regte sie Gedanken zur zukünftigen Rolle der Missionswerke im zivilgesellschaftlichen aber auch im klassischen Kontext der Missionsarbeit an.

Als außenstehende Person kann die Reflexionsfähigkeit der deutschen Missionswerke im positiven Sinne durchaus überraschen. Das Bewusstsein dafür, welche Position man in einem historischen Kontext in Zusammenhang mit den Kolonialmächten einnimmt, wurde unter anderem durch Vorträge von Ravinder Salooja (Leipziger Missionswerk) oder auch Magdalena Kittelmann (Universitätsspital Basel) stark unterstrichen. In dem Sinne kann die eingangs gestellte Frage, inwiefern bei den deutschen Missionswerken die Fähigkeit zur (historischen) Selbstreflexion gegeben ist und wie sie sich selbst und ihren Auftrag verstehen, zufriedenstellend beantwortet werden. Doch hat sich auch herausgestellt, dass die erarbeiteten Antworten der Teilnehmenden den gesamten Prozess der Missionsarbeit nicht unbedingt weitergebracht haben: Die Frage nach der Machtverteilung zwischen Partnerschaftsgemeinden im globalen Norden und Süden, die Deutungshoheit über das moralisch Richtige und Falsche und die Frage nach der aktuellen Relevanz der Missionswerke des globalen Nordens konnten nicht befriedigend beantwortet werden. Gesichert ist nur das Wissen darüber, dass es in den kommenden Jahren noch viel, viel Austausch über diese und ähnliche Fragen geben muss. Für den Erfolg des Austausches können dabei die Einbeziehung der Partnerschaftsgemeinden im globalen Süden und der Akteure der (säkularen) Zivilgesellschaft vor Ort von Relevanz sein.

Der Tagungsband wird etwa ab Juli kostenlos unter folgendem Link abrufbar sein:

www.missionsakademie.de/tima.html

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