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Matten-Flechterei in Atiavi (KP 1152/Ghana)

Die aus Schilf gewebten Matten sind als Sichtschutz sehr gefragt.

Ghana war einmal die größte Fischerei-Nation an der westafrikanischen Küste. 140 Fischtrawler befischten die Gewässer außerhalb der 12-Meilenzone und brachten dem Staat gute Einnahmen. In den 1980er Jahren wurden jedoch die Hoheitsgewässer auf 200 Seemeilen ausgeweitet. Dies hatte weitreichende Folgen. Denn den ghanaischen Trawlern war es nicht mehr erlaubt, vor den Küsten der benachbarten Staaten zu fischen. Die damalige UN-Regelung erlaubte den Ländern, die keine eigene Fischfangflotte besaßen, mit anderen Ländern Fischereiabkommen zu treffen und ihnen die Nutzung der eigenen Hoheitsgewässer zu erlauben. Dabei wurden zwar die Zahl der Schiffe, aber nicht deren Fangquoten festgelegt.

Die hohen Fangquoten der modernen ausländischen Trawler und das illegale Fischen in fremden Hoheitsgewässern haben die Fischbestände extrem dezimiert. Von der ehemaligen Fischfangflotte sind Ghana nur noch 45 Trawler geblieben, die auch noch zum überwiegenden Teil Strohmännern ausländischer Investoren gehören. Der Einsatz von illegalen Fangtechniken wie zum Beispiel der Einsatz von zu engmaschigen Netzen, die die Jungfische mit abfischen, verhindert, dass sich die Fischbestände wieder erholen können. Die ghanaischen Kleinfischer stehen vor dem Ruin. Die von ihnen gefangenen Fische reichen kaum noch aus, um ihre Familien zu ernähren. Erschwerend kommt hinzu, dass der von den Fischtrawlern gefangene Beifisch zu Dumpingpreisen auf den afrikanischen Märkten landet und dort die Preise kaputt macht.

Atiavi ist ein Dorf, in dem viele Familien vom Fischfang gelebt haben. Da ihnen ihre Lebensgrundlage genommen wurde, sind sie gezwungen, sich eine neue Existenzgrundlage zu suchen. Eine gute Möglichkeit ist die Herstellung von großen Matten aus Schilf, die in den Dörfern als Eingrenzung und Sichtschutz genutzt werden und sehr gefragt sind. In der sumpfigen Region gibt es viel für die Herstellung der Matten gut geeignetes Schilf. Um den ehemaligen Fischerfamilien zu helfen, hat eine Gruppe von Männern und Frauen der Evangelischen Gemeinde Atiavi mit der Unterstützung durch Spenden über die Norddeutsche Mission mit einem Projekt zur Herstellung dieser Matten begonnen. Einen Bericht können Sie Leitet Herunterladen der Datei einhier herunterladen.

Die Webrahmen werden von der Gruppe gemeinsam genutzt. Foto: W. Blum

Mit Hilfe der Spenden aus Deutschland konnte man inzwischen mehrere Webrahmen bauen, Material kaufen und mit der Arbeit beginnen. Eine Gruppe von zehn Frauen und Männern kommt jeden Montag, Mittwoch und Freitag zusammen, um jeweils etwa acht Stunden gemeinsam zu arbeiten. Die Färbung geschieht mit roten und grünen wasserlöslichen Farben.

Die so hergestellten Matten eigenen sich als Sonnenschutz, als Schlafmatten oder zur Einzäunung und lassen sich gut auf den Märkten der Umgebung verkaufen. Jede dritte selbst hergestellte Matte darf der oder die jeweilige Weber/Weberin selbst behalten; der Erlös aus den übrigen Matten geht an die Gemeinde oder um einzelne bedürftige Menschen zu unterstützen. „Das ist für uns alle eine großartige Sache“, meint das Gruppenmitglied Paul Dzikunu. „Vielen herzlichen Dank für die Unterstützung.“

Auf einen Blick:

Projekt: Aufbau einer Flecht-Werkstatt für Schilfmatten
Ort/Region: Atiavi / Southern Presbytery
Durchführung: Männergruppe der Evangelischen Gemeinde
Kostenübersicht:
Unterstand: EUR 450,--
Holz für Webrahmen: EUR 500,--
Startkapital: EUR 100,--
Projektdurchführung und -begleitung: EUR 55,--
Gesamt: EUR 1.105,--