Wasser - Gabe Gottes

Das erste Plakat der NM-Kampagne

Dietmar Arends ist seit 2014 Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche. Ein Jahr zuvor wurde er zum Präses der Norddeutschen Mission gewählt. Arends stellt den Leserinnen und Lesern der „Mitteilungen“ seine Gedanken zum ersten Plakat der NM-Kampagne vor.


Agnes und Lydia sind mir sozusagen schon an vielen Orten der Welt begegnet. Immer wieder geht es um das eine Grundbedürfnis, doch auf ganz verschiedene Weise: Die ganze Schöpfung und auch wir Menschen können ohne Wasser nicht leben - und dieses Wasser ist Gabe Gottes.


In Ghana haben wir einmal versucht, uns am Wasserholen zu beteiligen. Wir trafen eine Gruppe von Frauen und Kindern an einer Wasserstelle und baten darum, selbst einmal die Wasserbehälter tragen zu dürfen. Doch wie schnell mussten wir aufgeben; wir waren dazu einfach nicht in der Lage. Wir konnten die schweren Gefäße nicht auf unseren Köpfen halten, geschweige denn sie über eine größere Entfernung tragen. Meine Hochachtung vor dieser Arbeit der Frauen stieg noch einmal gewaltig.


In Kenia habe ich Frauen getroffen, die sechs bis sieben Stunden eines Tages nur mit dem Heranschaffen von Wasser beschäftigt waren. Der Bau eines Brunnens in ihrem Dorf brachte eine Veränderung ihres Alltags mit sich, die größer kaum sein konnte. Zugleich hatte der Bau des Brunnens noch eine ganz andere Wirkung: Die Mädchen des Dorfes durften endlich zur Schule gehen, da sie nicht mehr mit unterwegs sein mussten, das Wasser zu holen. Wasser und Bildung hängen oft zusammen. Weite Wege bis zur Trinkwasserstelle haben nicht selten dramatisch schlechtere Bildungschancen insbesondere für Mädchen zur Folge.
An einem anderen Ort auch in Kenia wurde mir plastisch vor Augen geführt, was es bedeutete, als jahrelang der regelmäßige Regen ausblieb. Brunnen versiegten; immer weniger Wasserstellen hatten noch genug Wasser für die Viehherden – existenzbedrohend für die Kleinbauern; die Wasserrationen der Familien wurden beschränkt; nur noch einmal am Tag durften die Frauen zur Wasserstelle kommen.
An anderen Orten erlebte ich, dass Versorgung mit sauberem Trinkwasser nur die eine Seite einer Medaille ist. Fast genauso wichtig ist, dass den Menschen eine ausreichende sanitäre Grundversorgung zur Verfügung steht. Die katastrophalen gesundheitlichen Folgen, die es hat, wenn Menschen etwa ein und dasselbe Gewässer für die Toilette und als Trinkwasserquelle nutzen, sind mir noch vor Augen.
An anderen Orten begegnet mir die Frage nach dem Trinkwasser noch einmal auf ganz andere Weise. Internationale Konzerne erwerben Lizenzen, um den Menschen sozusagen ihr eigenes Wasser zu verkaufen. Sie füllen Quellwasser in Flaschen und verkaufen es zu ‑ selbst für unsere Verhältnisse - hohen Preisen an die einheimische Bevölkerung. Nur die Wohlhabendsten können es sich leisten. Die Gewinne streichen große Konzerne ein, die ihren Sitz in der Schweiz, in Frankreich, den USA und in anderen reichen Ländern dieser Erde haben.


Aber auch ich selbst bin in solche Wassergeschichten verstrickt. In Deutschland verbrauchen wir im Durchschnitt täglich rund 130 Liter Wasser pro Person. In manchen afrikanischen Ländern müssen die Menschen mit kaum 10 Litern auskommen. Irgendwann wurde mir zudem bewusst, dass ich nicht nur das Wasser verbrauche, dass bei mit zuhause aus dem Wasserhahn kommt. Ich verbrauche Wasser auch an ganz anderen Orten dieser Welt nämlich dort, wo die Dinge produziert werden, die wir importieren. Bevor ich eine Tasse Kaffee trinken kann, hat die Produktion dafür schon 140 Liter Wasser verbraucht. Die Herstellung einer Jeans erfordert über 10.000 Liter Wasser, das meiste wird für die Bewässerung der Baumwollfelder benötigt. Gleichzeitig ist der Grundwasserspiegel zum Beispiel in Indien, dem zweitgrößten Baumwollproduzenten der Welt, in den letzten Jahren dramatisch gesunken.


Von solchen „Wassergeschichten“ könnten noch viele mehr erzählt werden. Auch die Bibel erzählt Geschichten vom Wasser – und das ist nicht von ungefähr. Die Erzählungen der Bibel tragen sich in einer Gegend zu, in der Wassermangel immer wieder eine Alltagserfahrung war. Die absolute Abhängigkeit von der Gabe des Wassers war für die Menschen der Bibel existentiell. So ist es kein Zufall, dass die Bibel so viele Geschichten über Wasser und Brunnen erzählt, über den Segen des Regens und die Gefahren der Dürre, von quälendem Verlangen nach Wasser und gestilltem Durst. Besonders eindrücklich wird dies in der Erzählung der Wüstenwanderung geschildert: Gott versorgt sein Volk auf wunderbare Weise mit dem lebensnotwendigen Wasser; ohne dies wäre es in der Wüste umgekommen.
Und das ist die Grundüberzeugung der biblischen Überlieferung im Blick auf das Wasser, das der Mensch und die ganze Schöpfung zum Leben braucht: Wasser ist eine Gabe Gottes. „Du lässt Wasser in den Tälern quellen, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen, dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst lösche.“, so sagt es der große Schöpfungspsalm (Psalm 104) auf schöne Weise. Deshalb haben Missions- und Entwicklungswerke immer wieder formuliert Wasser sei „Gottes Gabe – keine Ware“.


So versteht es sich eigentlich von selbst, dass dies unsere „Mission“, unser Auftrag ist, daran mitzuwirken: Das muss deutlich werden, daran müssen wir mitwirken, dass das Wasser Lebensgrundlage ist und als solche Gabe Gottes, die allen Menschen zur Verfügung steht.


Dies beginnt bei uns selbst: Wie bewusst gehen wir mit der Schöpfungsgabe Wasser um? Wie gebrauchen wir es? Wissen wir um die globalen Zusammenhänge, in die wir dabei verstrickt sind? Wir leben nicht auf einer Insel, auf der es Wasser für uns genug gibt und der Rest uns nicht zu interessieren braucht. Und dazu gehört auch die Frage, ob uns bewusst ist, wie wenig selbstverständlich es für andere Menschen auf dieser Erde ist, ausreichend sauberes Wasser zur Verfügung zu haben und hinreichende sanitäre Versorgung dazu.


Das sehe ich als eine wesentliche Aufgabe von Kirche in dieser Frage - dazu beizutragen, dass Menschen diese Zusammenhänge bei uns bewusst werden und bleiben. Das geschieht in vielfältiger Weise in der Arbeit mit Erwachsenen und mit Kindern oder Jugendlichen. Wir nehmen diese Verantwortung wahr durch die Arbeit unseres Ökumene-Referates. Über viele Jahre war hier das Thema „Wasser“ eines der Schwerpunkt-Themen. Vor etlichen Jahren veranstaltete die Lippische Landeskirche ein großes Partnerschaftsfest genau zu diesem Thema. Menschen aus den unterschiedlichen Partnerkirchen kamen zusammen, um gemeinsam an diesem Thema zu arbeiten und sich über die Situation im eigenen Land auszutauschen, sich zu stärken und zu ermutigen. Und das hat dann wieder Auswirkungen bei uns selbst. So haben sich etliche sehr stark engagiert gegen die Privatisierung der Wasserversorgung, eben weil Wasser keine Handelsware sein kann.


Indem wir als Kirchen unsere Missions- und Entwicklungswerke tragen und unterstützen, leisten wir einen Beitrag zu der Mission, allen Menschen sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Die Werke setzen sich dafür auf politischer Ebene ein. Und dieses Engagement ist nicht zu unterschätzen. Da viele gemeinsam hier aktiv sind, zeigt es Früchte. Inzwischen hat die UNO das Recht auf Zugang zu sauberem Trinkwasser als Menschenrecht anerkannt. Dafür haben viele lange gekämpft, dass dieser wichtige Schritt möglich wurde. Die kritische Haltung gegenüber einer Privatisierung der Wasserversorgung wächst. Da geschieht viel, auch wenn noch immer viele Schritte bleiben, die zu gehen sind.


Und zu unserem Engagement gehört dann auch die ganz praktische Förderung von Projekten, die Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen. Wie viele Brunnen konnten etwa schon in Togo gebohrt werden, weil Menschen in unseren Kirchen diese Projekte unterstützen.
So wird deutlich: Wasser ist eine Gabe Gottes, die allen Menschen zusteht. Das ist unsere Mission!

Dietmar Arends

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