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Westafrika in Sorge

ECOWAS bereit zu möglicher Intervention in Niger

Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat sich bei einem Treffen in der ghanaischen Hauptstadt Accra darauf verständigt, militärisch in Niger zu intervenieren, falls die politischen Gespräche mit der dortigen Militärjunta zu keinem akzeptablen Ergebnis führen. Ziel ist die Wiedereinsetzung des 2021 gewählten und Ende Juli durch einen Militärputsch gestürzten Präsidenten Mohamed Bazoum.

Fast alle ECOWAS-Staaten haben eine Mitwirkung bei einer möglichen Intervention zugesagt. Lediglich die ebenfalls unter Militärregimes stehenden Staaten Mali, Burkina Faso und Guinea waren dagegen und haben darüber hinaus den nigrischen Militärs Unterstützung zugesagt. Inzwischen wurde ein reguläres Militärbündnis geschlossen, das gegenseitige Unterstützung in einem Angriffsfall beinhaltet. Die Mitgliedschaft dieser Länder in der ECOWAS ist zur Zeit suspendiert.

Die ECOWAS hatte beim Putsch in Niger heftiger reagiert als bei den anderen Coups, die in den letzten drei Jahren in der Region stattfanden. Daraus ergibt sich eine problematische Situation, da die Glaubwürdigkeit der Staatengemeinschaft auf dem Spiel steht. Ein militärisches Eingreifen wäre ein sehr riskantes Unterfangen, dessen Ausgang höchst ungewiss ist. Die Leistungsfähigkeit und Motivation der ECOWAS-Truppen kann nicht eingeschätzt werden, ebenso wenig der zu erwartende Widerstand in Niger. Inwieweit die nigrische Bevölkerung auf Seiten der Putschisten steht, ist ebenso unklar.

Darüber hinaus würde eine Intervention die höchst fragile Situation in der Sahelzone weiter destabilisieren, zumal die Reaktionen von Mali und Burkina Faso nicht absehbar sind. Neben den schon seit Jahrzehnten dort agierenden islamistischen Terrororganisationen ist in Mali auch die russische Wagner-Truppe aktiv.

In Ghana wächst unterdessen der Widerstand gegen eine Beteiligung an einer möglichen Intervention. Die dafür nötigen Mittel würden im eigenen Land gebraucht, und die Nigrier hätten ihre Probleme selbst verursacht, so der Tenor in Interviews auf der Straße.

Niger hat wegen seiner Bodenschätze erhebliche Bedeutung für die Weltwirtschaft.

So wird es wohl darauf hinauslaufen, dass letztlich nach dem großem Theaterdonner der ECOWAS der Status quo in Niger akzeptiert und sich mit den realen Machtverhältnissen arrangiert werden wird. Die politische Wirksamkeit der ECOWAS und das Ansehen in den Ländern der Gemeinschaft wird aber deutlich sinken, mit unabsehbaren Folgen.

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