Ghana ist neben Kamerun das einzige westafrikanische Land, das Weizen aus der Ukraine importiert. Daher ist das Land von der Aufkündigung des Abkommens zwischen Russland und der Ukraine unmittelbar betroffen.
Vor diesem Hintergrund kommt dem Russland-Afrika-Gipfel eine besondere Bedeutung zu. Putin erhofft sich eine verstärkte Zusammenarbeit mit vielen Ländern des Kontinents bei Getreide- und Düngemittellieferungen. Allerdings ist die Zahl der teilnehmenden Länder zusammengeschmolzen. Waren beim ersten Gipfel in Sotchi 2019 noch 53 Staaten mit ihren Präsidenten dabei, sind es jetzt nur noch 47. Die meisten davon nur mit ihrer zweiten Garde, lediglich 17 Präsidenten haben diesmal den Weg nach St. Petersburg gefunden. Russland versucht, den afrikanischen Vertreterinnen und Vertretern zu versichern, dass das Land ausreichend Getreide liefern könne, um den Ausfall der ukrainischen Lieferungen zu kompensieren. Diesen Ausfall hatte Russland durch die Kündigung des Getreideabkommens absichtlich herbeigeführt.
Daneben spielt Afrika in Putins strategischen Überlegungen eine wichtige Rolle. Er versucht, die Isolation Russlands zu minimieren und will den Handel ausbauen. Schon jetzt ist Russland der wichtigste Waffenlieferant Afrikas. Außerdem übt es über die Söldner der Wagner-Gruppe in mindestens zehn Ländern militärischen, politischen und wirtschaftlichen Einfluss aus, unter anderem im westafrikanischen Mali und Kamerun. Letztlich läuft Putins Angebot auf eine banale Erpressung hinaus: Ihr unterstützt mich, dafür bekommt ihr Getreide.
Für viele diktatorisch regierte Staaten Afrikas ist die Zusammenarbeit mit Russland attraktiv, da der Kreml nicht nach Menschenrechten oder demokratischen Strukturen fragt.
Dazu kommt, dass viele afrikanische Staaten keinen Konflikt darin sehen, gleichzeitig Partnerschaften mit Europa, Russland und China zu verfolgen.
