Anfang September fand die Theologische Konsultation der Norddeutschen Mission in Kpalimé/Togo zum Thema Klimakrise und Klimagerechtigkeit statt.
Zum Abschluss verabschiedeten die Delegierten folgende Erklärung;:
Kommuniqué der Theologischen Konsultation der Norddeutschen Mission
Vom 3. bis 8. September 2024 fand in Kpalimé, Togo, eine Theologische Konsultation der Norddeutschen Mission (NM) mit dem Thema „Die Klimakrise als Frage der Gerechtigkeit“ statt. Teilnehmende waren Mitglieder der Theologischen Kommission der sechs Mitgliedskirchen der NM, Dozent:innen von Universitäten, Vertretende von Nichtregierungsorganisationen, kirchlichen Einrichtungen oder der togoischen Regierung. Zur Konsultation gehörten auch Vertretende der Jugend der Mitgliedskirchen der Norddeutschen Mission und Gäste. Bestandteil des Programms waren u.a. Besuche in einer muslimischen Gemeinde und bei einem traditionellen Herrscher, um dort jeweils etwas über Perspektiven auf Schöpfungsverantwortung in Erfahrung zu bringen. Für die EEPT waren diese Besuche ein gutes Beispiel ihrer Öffnung für interreligiöse und interkulturelle Diskussionen. Die Teilnehmenden an der Theologischen Konsultation danken der EEPT dafür, die Gastgeberin für diese Konsultation gewesen zu sein und eine togoische Perspektive auf die Frage nach der Klimagerechtigkeit zu teilen. Die Teilnehmenden bekräftigten die vielfältigen Dimensionen der Gerechtigkeitsfrage in Bezug auf die Klimakrise, insbesondere ihre sozialen, wirtschaftlichen, religiösen, rassistischen, kolo nialen und umweltschützenden Aspekte. Ein Fokus lag auf der Verbindung der Menschen und ihren Mitgeschöpfen, Tieren und Pflanzen, Wasser und Luft auf unserer Mutter Erde untereinander. Die Teilnehmenden begrüßten eine panentheistische (das Göttliche existiert in der Welt, aber Gott ist mehr als die Welt) Weltanschauung: Gott ist nicht die Natur, aber Gott kann, indem die Natur betrachtet wird, entdeckt werden (Röm 1). Der Reichtum des Wissens indigener Gruppen über die Erhaltung der Umwelt muss ebenso berücksichtigt werden wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Der Umwelt gerecht zu werden, aber auch denjenigen gerecht zu werden, die am meisten unter der Klimakrise leiden, obwohl sie nicht die Hauptverursacher der Krise sind (Afrika trägt mit etwa 17 Prozent der Weltbevölkerung nur 4 Prozent zu den globalen Kohlenstoffemissionen bei), impliziert zwei Aufträge: Der eine besteht darin, die Umwelt zu schützen und sich strikt dafür einzusetzen, dass die globale Temperatur durch Maßnahmen, die von den Kirchen der NM gesteuert werden können, unter oder auf maximal 1,5 °C gehalten wird. Der zweite ist, als NM alles zu tun, was möglich ist, damit der „Fonds zur Bewältigung von Verlusten und Schäden“ - den die COP1 und CMA2 auf ihrer achtundzwanzigsten und fünften Tagung auf den Weg gebracht haben - den von den Ländern des so genannten globalen Nordens geforderten Geldbetrag erhält.
1 Konferenz der Vertragsparteien [Das UNFCCC - Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen - trat am 21. März 1994 in Kraft. Die 198 Länder, die das Übereinkommen ratifiziert haben, werden als Vertragsparteien des Übereinkommens bezeichnet.] 2 Konferenz der Vertragsparteien, die als Tagung der Vertragsparteien des Pariser Abkommens dient.
Die Teilnehmenden an der Theologischen Konsultation empfehlen, dass jede NM-Mitgliedskirche:
- ein Schulungsprogramm für Kinder und Jugendliche entwickelt, um ein Bewusstsein für die Bewahrung der Schöpfung zu schaffen (Kirche mit Kindern, Öko-Clubs an Schulen). Das zu ent wickelnde Material sollte von der NM finanziert werden und ein Corporate Identity Logo für alle Mitgliedskirchen enthalten. - die Jugendarbeitslosigkeit bekämpft (vor allem in Ghana und Togo), z.B. durch Ausbildung und Finanzierung von Start-Ups (um z.B. in Ghana nicht zum illegalen Goldabbau beizutragen). - ihre (prophetische) Stimme angesichts von Klimavergehen erhebt. - auf nicht-nachhaltiges Handeln in den eigenen Strukturen verzichtet (Logistik, größere Ver anstaltungen, Konferenzen, Reisen, Beachtung der sieben R`s). [1. Umdenken - 2. Verweigern - 3. Reduzieren - 4. Wiederverwenden - 5. Reparieren - 6. Wiederverschenken - 7. Recyceln] - sich darüber im Klaren ist, dass die Liebe zueinander Handlungen in Form von Wiedergutma chung verlangt, wenn Unrecht geschehen ist. - sich dessen bewusst ist, dass die Missionare des 19. Jahrhunderts - einschließlich der NM Missionare - zu Umweltschäden beigetragen haben. Anstatt die vorgefundenen Regeln und Rituale zum Schutz von Umwelt und Natur zu respektieren, haben sie diese pauschal verurteilt. - für den Umgang mit der Natur einen spirituellen Ansatz zu verfolgen. - zu einem Paradigmenwechsel hinsichtlich der Verkündigung eines „Wohlstandsevangeliums“ beizutragen. Anstatt zu mehr Konsum aufzurufen, sollten die Menschen ermutigt werden, die Fülle des Lebens in der Zufriedenheit zu finden. Das bedeutet, zu einem Leben der Zusammen arbeit statt des Wettbewerbs aufzurufen, des Teilens statt der Gier, der Empathie statt des Ego ismus. Der sogenannte Globale Norden sollte sich auf das Predigen und Lehren einer Ethik des Genug besinnen. - sich mit anderen Akteuren und religiösen Einrichtungen für ein gemeinsames Handeln in der umgebenden Gesellschaft zugunsten der Umwelt einzusetzen und zu vernetzen. - sich mit allen Menschen, die guten Willens sind, über die besten Ansätze im Kampf gegen die Klimakrise auszutauschen. - sich sich für sauberes Wasser einzusetzen. - soziale Medien zur Förderung der Bewahrung der Schöpfung zu nutzen. - in ihre Klimaschutzerklärungen und -aktionen die Forderung nach Klimagerechtigkeit einzu schließen. - Klimagerechtigkeit als Querschnittsthema zu betrachten.
Die Konsultations-Teilnehmenden rufen die Geschäftsstelle der NM dazu auf, die Anstrengungen ihrer Mitgliedskirchen mit ihrer Arbeit, ihren Projekten und ihren Programmen im Hinblick auf das Tun von Klimagerechtigkeit zu unterstützen. Gleichzeitig fordern sie die Mitgliedskirchen der NM dazu auf, ihren Einsatz für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit noch einmal signifikant zu erhöhen. Denn: «zusammen glauben wir (…), dass die Erde Gottes ist und alles, was darinnen ist. Die Menschen, in Gottes Ebenbildlichkeit geschaffen, sind dazu aufgerufen, als treue und verantwortliche Haushalter:innen Gottes wunderschöner und einzigartiger Schöpfung zu dienen, deren Teil sie sind - und als solche untrennbar abhängig von der Gesundheit der ganzen natürlichen Welt.» (WCC Versammlung in Karlsruhe 2022)
