Nach offiziellen Angaben hat Ghana seit 2021 fast eine Million Tonnen Kakao im Wert von rund 1,1 Mrd. € durch Schmuggel verloren. Verantwortlich dafür ist hauptsächlich die Preisdifferenz zwischen Ghana und seinen Nachbarländern, verspätete Zahlungen und eine instabile Währung. Im Oktober 2024 lag der Preis pro Tonne Kakao in der Elfenbeinküste bei 3060 Dollar, in Ghana bei 3039 Dollar. Der Unterschied ist nicht so groß, hat aber dazu beigetragen, dass Kakao auf dem Schwarzmarkt verkauft wurde.
Ghana macht große Anstrengungen, den Schmuggel einzudämmen. Ein Belohnungssystem soll Informant:innen wie auch den Anti-Schmuggel-Einheiten bei Kakao-Beschlagnahmungen ein Drittel des geschätzten Wertes als Belohnung geben. Bei einer Beschlagnahme von knapp 2 Tonnen wären das rund 1800 Dollar gewesen: Das durchschnittliche Jahreseinkommen einer ghanaischen Kakaobäuerin oder eines -bauers beträgt knapp 2300 Dollar. Angesichts der aktuellen Rekordpreise – Anfang 2025 kostete eine Tonne fast 11.000 Dollar – wurde der Schmuggel noch lukrativer. In Togo beispielsweise wird der Kakaopreis zweimal im Monat dem globalen Preis angepasst. Ghanas Kakaobehörde legt den Preis hingegen einmal jährlich fest. Dies bietet Stabilität, führt aber, wie in der aktuellen Situation auch zu finanziellen Verlusten für die Bäuerinnen und Bauern – und damit wird der Schmuggel lohnend.
Bei Saisonbeginn im August wurde in Ghana ein Tonnenpreis von 5040 Dollar für die Bäuerinnen und Bauern bekanntgegeben - der durchschnittliche globale Preis lag aber bei 7592 Dollar pro Tonne. Eine Vereinigung von rund 300.000 Kakaobäuerinnen und -bauern protestierte – und drohte damit, sich am Schmuggel in die benachbarten Länder zu beteiligen. Ghanas Finanzminister Cassiel Ato Forson gab klein bei und erhöhte den Tonnenpreis auf 5393 Dollar. Die ghanaische Kakaobehörde unterstützt die Landwirte außerdem mit kostenlosen Pestiziden, Blüteninduktoren und Sprühmaschinen. Seit diesem Jahr gibt sie auch wieder kostenlosen Dünger an die Kakaolandwirtschaft ab. Diese Maßnahme gab es schon einmal, sie wurde aber 2020 gestoppt, weil der kostenlose Dünger außer Landes geschmuggelt und dort verkauft worden war.
