Wir freuen uns, dass in der NM-Geschäftsstelle wieder eine Süd-Nord Freiwillige mit uns zusammenarbeitet. Leider erst seit Mitte September statt Ende Mai, da es große Schwierigkeiten bezüglich des Visums gab. Colette Boateng stellt sich hier vor und schildert ihre ersten Eindrücke.
Ich heiße Akou Colette Boateng, bin 26 Jahre alt und habe die togoische Staatsangehörigkeit. Ich lebe mit meiner Familie in Lomé und habe meinen Bachelor in Personalmanagement gemacht. Ich liebe Musik, besonders das Singen, und bin Mitglied eines Chores der EEPT.
Erste Eindrücke in Deutschland
In Togo gibt es zwei Jahreszeiten: die Trockenzeit und die Regenzeit. In der Trockenzeit zwischen November und März weht der Harmattan, ein trockener und warmer Wind von der Sahara, und bringt Staub und Sand mit. Er verursacht einen Rückgang der Niederschläge, heiße Temperaturen am Tag und verringert die Sichtweite, besonders am Morgen. Diese Jahreszeit kann zu Gesundheitsproblemen wie Allergien und Atemwegsinfektionen führen und das Risiko von Buschbränden erhöhen. Außerdem wird alles durch den Staub leicht schmutzig. Sowohl der Zeitpunkt der Jahreszeiten als auch ihre Intensität variieren zwischen dem Norden und Süden des Landes. Die Regenzeit ist gut für die Landwirtschaft. Allerdings sind dann viele Straßen schwer zugänglich, und es kommt zu Überschwemmungen. Ich mag diese zwei Jahreszeiten, aber ich mag keinen Staub und keinen Schlamm.
Deutschland hat vier Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ich kam am Ende des Sommers und zu Beginn des Herbstes an. Er ist hübsch mit all’ den Farben und der leichten Frische. Ich mag es, wenn die Blätter der Bäume ihre Farbe ändern. Nur regnet es im Herbst in Bremen zu oft. Es kann in jedem Moment unerwartet losgehen – das mag ich nicht. Ein weiterer Unterschied zu Togo besteht darin, dass in Deutschland fast alle Straßen geteert sind. Es gibt keinen Schlamm und weniger Staub. Es ist toll, sauber aus dem Haus zu gehen und sauber wieder nach Hause zu kommen.
Kurz nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich an einem Workshop teilgenommen, der von der Vereinigung UTBE e.V., einer togoischen Organisation in Zusammenarbeit mit der NM, organisiert wurde. Der Austausch mit anderen teilnehmenden Vereinen war interessant, und es hat mich gefreut, Menschen zu treffen, die dieselbe Sprache sprechen wie ich.
Mir ist aufgefallen, dass es in Deutschland für jeden gebrauchten Gegenstand einen Müllbehälter gibt, was bei uns nicht üblich ist. Ich finde diese Methode interessant, da sie das Recycling erleichtert und somit die umweltfreundliche Entsorgung von wiederverwertbaren Gegenständen fördert.
Bremen ist großartig. Die Straßenbahn, ein gemeinsames und schnelles Verkehrsmittel, das es in meinem Land nicht gibt, ist faszinierend. Bei uns reist man oft mit dem Motorrad, um schnell durch die Stadt zu kommen: von Punkt A genau nach B zu gelangen, ist nicht sehr bequem, aber schnell. Man kann sich auch mit dem Taxi fortbewegen, es ist günstiger, aber nicht schnell – man steckt oft im Stau und kommt nicht direkt dorthin, wo man hin möchte. Es gibt auch Busse für längere Strecken. Und es gibt Uber und ähnliche Unternehmen, bei denen man per App Autos und Moto-Taxis bestellen kann.
Ich habe in Bremen ein kirchliches Sozialkaufhaus kennengelernt, wo man gebrauchte Artikel zu sehr guten und niedrigen Preisen sowie von guter Qualität anbietet. Ich habe auch an einer Vorführung eines Dokumentarfilms mit dem Titel „Togoland Projektionen“ teilgenommen. Dieser Film handelte von der deutschen Kolonialzeit in Togo. Ich habe allerdings nicht viel Neues erfahren, da dies ein Thema ist, das während meiner Schulzeit im Geschichtsunterricht behandelt wurde. Aber es war berührend, reale Bilder zu den erzählten Geschichten zu sehen.
Klimakonferenz
Ich habe auch an der LCOY (Local Conference of Youth), einer Klimakonferenz für junge Menschen in Lüneburg teilgenommen. Es war schön, eine andere Stadt zu entdecken, neue Abenteuer zu erleben und Erfahrungen zu sammeln. Während des Seminars habe ich an Workshops teilgenommen, die wirklich intensiv waren, und an Diskussionen, in denen es hauptsächlich um das Klima und darüber, wie wir unseren Planeten vor einer zukünftigen Katastrophe retten können, ging. Ich habe Studenten und Studentinnen der naturwissenschaftlichen Fakultät getroffen, die ihr Studiengebiet und die Frage des Umweltschutzes sehr präzise beherrschen. Das ist sehr bemerkenswert und wertzuschätzen. Ich war ein wenig verloren, da ich nur wenige Informationen über dieses Gebiet hatte. Ich weiß nur, dass der Planet aufgrund unseres schlechten Handelns geschädigt wird, und hatte nur einige Informationen darüber, wie man den Planeten schützen und retten kann. Außerdem wurden die Workshops und Diskussionen auf verschiedene Gebäude der Universität verteilt, und es gab mehrere Angebote gleichzeitig. Ich wusste nicht, was ich wählen oder wohin ich gehen sollte, weil ich überall gleichzeitig sein wollte. Es war sehr interessant, an dieser Konferenz teilzunehmen. Ich habe neue Leute getroffen und viel gelernt und bin dankbar dafür. Ich hätte mir gewünscht, dass die Konferenz ein paar Tage länger dauert, um noch mehr lernen zu können.
In Deutschland zu leben ist schön, aber die Sprache ist eine Barriere, und für eine Person, die nicht an den Wechsel der Jahreszeiten und des Klimas gewöhnt ist, wird es sehr schwierig sein, dort zu leben. Obwohl ich Sprachkurse besuche, bin ich noch nicht an die Sprache gewöhnt. Ich sage mir, dass dies erst der Anfang ist, es wird nach und nach kommen, und durch Lernen werde ich mich daran gewöhnen. Und das Wetter, manchmal ist es angenehm und manchmal nicht. Ich bin hier, um zu lernen, Neues zu entdecken und vom Leben in Togo zu erzählen. Ich hoffe, dass alles gut geht und dass die Monate, die ich hier in Deutschland verbringen werde, sowohl für meine Umgebung als auch für mich positiv sind.
