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27.01.2020

Usain Bolt im Wasser

Schwimmkurs für Erwachsene

Emefa van Lare, Süd-Nord-Freiwillige aus Ghana, hat in Bremen an einem Schwimmkurs teilgenommen. In Afrika wird an den meisten Schulen kein Schwimmunterricht gegeben, und auf dem Land ist es quasi unmöglich, schwimmen zu lernen.

Eines meiner Ziele im Jahr 2019 war es, schwimmen zu lernen. Dieses Ziel musste ich wohl nach Deutschland mitnehmen. Ich hatte nie wirklich die Zeit, die finanziellen Mittel oder den Mut, in Ghana Schwimmunterricht zu nehmen. Aber ich wollte es immer lernen, weil es die meiste Zeit bei uns sonnig ist, und man einfach den Drang hat, schwimmen zu gehen.

Zuerst musste ich meine Ängste überwinden; meine erste Schwimmstunde hatte ich mit einer Freundin namens Maapeaa gehabt. Sie zeigte mir eine Grundbewegung, als wir mal in Cotonou/Benin waren. Danach machte ich einfach im Schwimmbad so weiter. Nach dem Sommer in Deutschland und nachdem ich etwas Geld gespart hatte, erkundigte ich mich nach Kursen und entschied mich, mit dem Schwimmunterricht im „Vitalbad“ zu beginnen, das nur 7 Minuten mit dem Fahrrad von meiner Unterkunft entfernt ist.

Abgesehen von meiner leichten Wasserphobie war ich auch sehr scheu, halbnackt unter Fremden herumzulaufen. Eine andere Sache war, dass mein Körper noch nicht in Bikini-Form war, obwohl ich einige Monate ins Fitnessstudio gegangen bin und anschließend viel Reis gegessen habe. Ich schätze, wir wissen, wessen Schuld das ist… Ich schaffte es, all das zu überwinden, und war für meine erste Lektion bereit.

Der Tag kam für meinen Unterricht, und ich hatte die Grippe. Man kann sich vorstellen, wie enttäuscht ich war. Ich musste dann auf die nächste Woche warten. Die Dauer des Anfängerkurses betrug 7 Wochen, 30 Minuten pro Kurs einmal pro Woche. Als die folgende Woche kam und ich bereit war für meine erste professionelle Schwimmstunde, zog ich mich um und lief zum ersten Beckeneingang, den ich sah. Sobald ich eintrat, war ich geschockt. Es waren alles Kleinkinder. Ich meine, sagten sie nicht, es sei ein Erwachsenenkurs? Wie werde ich mit 4-Jährigen das Schwimmen lernen? Dann kam der Lehrer zu mir, sagte mir, dass ich im falschen Kurs sei, und zeigte mir, wohin ich gehen sollte. Welch ein Seufzer der Erleichterung!

Wir waren anfangs zu viert in dem Kurs. Ich war so ungeduldig, viel zu lernen, dass mein Lehrer mich neckte, indem er mich „Usain Bolt“ nannte, weil ich meine Beine im Wasser zu schnell bewegte. Beim ersten Mal ging es darum, die Beinbewegungen richtig zu machen. Am nächsten Morgen wachte ich mit Schmerzen im Körper auf, wollte aber immer noch unbedingt weitermachen. Im Laufe der Zeit ging es dann um die Armbewegungen. Jetzt hatte ich wirklich Mühe, die Arm- und Beinbewegungen beim Schwimmen zu kombinieren. Es ging nur um die Koordination, und Ihr kleines Mädchen litt darunter. Als ich endlich die Koordination hinbekam, konnte ich nicht mehr mit dem Kopf über Wasser schwimmen. Es war einfach verwirrend; ich musste den Atem anhalten, bevor ich mich bewegen konnte. Der Lehrer versuchte mir beizubringen, unter Wasser zu schwimmen und wieder aufzutauchen und nach Luft zu schnappen, was es noch schlimmer machte. Denn sobald ich unter Wasser war und zum Atmen nach oben kam, verlor ich jede Koordination und stand nur noch im Wasser und musste wieder von vorne anfangen.

Diese Herausforderungen fingen an, mich zu demotivieren; wahrscheinlich ist Schwimmen nicht wirklich mein Ding. Bis eines Tages ein anderer Lehrer kam, und dann fand ich meine Kraft. Als fast alle Angst hatten, mit dem Rückenschwimmen zu beginnen, hatte ich kein Problem. Für mich passte alles, und ich hatte die Zeit meines Lebens. Leider war das der letzte Termin des Kurses. Ich übte allein weiter und versuchte eine Zeit lang das Brustschwimmen. Irgendwann bekam ich es endlich einigermaßen hin.

Obwohl das eine ziemliche Herausforderung für mich war, hat es mir Spaß gemacht. Ich hoffte, den Unterricht fortzusetzen, aber es ist ziemlich teuer für mich, also schätze ich, werde ich weitermachen, wenn ich wieder zu Hause bin. Schwimmen ist schwieriger, als ich dachte, und ich beendete den Unterricht immer hungrig, weil es eine Menge Energie erfordert. Deshalb werde ich vorerst nur mit Freunden weiter üben, bis ich genug für einen weiteren Kurs gespart habe.

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