Kleinkredite-Programm / Ghana (MP 1209)

Das Team des Kleinkredite - Programms in Hohoe (hier mit Freiwilligen aus den USA) ermöglicht es den Frauen, sich eine eigene Existenz aufzubauen.

Mikrokredite sind seit vielen Jahren weltweit ein erfolgreiches Instrument der Entwicklungspolitik. Auch die Evangelische Kirche in Ghana hat diese Möglichkeit erkannt und entsprechende Programme in bisher fünf Standorten angeschoben.

Fred Mensah, Mitarbeiter der Entwicklungsabteilung der E.P.Church, EPDRA, ist seit 2008 in Hohoe mit dabei. „Es ist unglaublich“, freut er sich. „Wir haben hier mit 36 Kunden, wie wir die Teilnehmenden am Programm nennen, angefangen. Jetzt sind es 485.“ Die Gründe, warum sich die Menschen immer häufiger an die Kirche wenden, sind vielfältig. Geringverdienende bekommen von Banken weder einen Kredit noch überhaupt ein Konto. Viele Menschen haben Sorge, dass ihnen ihr Erspartes zu Hause gestohlen werden könnte – oder dass sie selbst in Versuchung geraten, es für weniger wichtige Dinge auszugeben.

„In Ghana gibt es das sogenannte Susu-System. Dabei spart man jeden Tag einen winzigen Betrag. Auch das rechnet sich. Andere sparen etwa 30 Ghana Cedis pro Monat“, erzählt Fred Mensah. Das sind ungefähr 17 Euro. „Da kommt allein in Hohoe im Jahr bei 445 Kunden eine große Summe zusammen, mit der wir sehr verantwortlich umgehen. Nur wer längere Zeit gespart hat, hat die Möglichkeit, einen Kredit zu bekommen. Wir bilden Gruppen von zehn Leuten. Pro Gruppe kann immer eine Person einen Geldbetrag geliehen bekommen. Natürlich achtet die Gruppe darauf, dass alles pünktlich zurückgezahlt wird. Denn erst dann kann die nächste Kreditvergabe erfolgen.“ Außerdem werden alle Buchungsvorgänge von der Entwicklungsabteilung der Kirche kontrolliert. Das schafft Vertrauen.

Im Vergleich zu den privaten Banken hat dieses System zudem erhebliche Vorteile: eine Kreditvergabe ist für alle Interessierten möglich, sie erfolgt vergleichsweise schnell, und die Zinsen sind geringer. „Die meisten unserer Kunden sind Frauen. Sie können einfach aus wenig viel machen“, sagt Fred Mensah lachend. „Sie fühlen sich auch häufig mehr verantwortlich für die Familie als ihre Ehemänner. Sie geben ihr Geld nicht für Hirsebier oder Palmwein aus und haben eine unglaublich hohe Rückzahlungsmoral. Wir haben ganz selten Probleme mit weiblichen Kreditnehmern.“

Die meisten Frauen, die einen Geldbetrag leihen, bauen damit einen Kleiderverkauf, Lebensmittelstand oder Imbiss auf. Wenn es gut läuft, beantragen sie nach einiger Zeit einen zweiten Kredit, um ihr Geschäft zu erweitern. Wer spart oder Mitglied in einer Kreditnehmergruppe ist, bezahlt einen geringen Prozentsatz an die insgesamt vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des EPDRA-Programms in Hohoe. So ist gewährleistet, dass das Programm professionell begleitet werden kann. „Manche brauchen ja auch Ratschläge von uns, was den Aufbau einer Existenz angeht“, erzählt Fred Mensah. „Man muss eine Marktanalyse betreiben, sich Angebot und Nachfrage am jeweiligen Ort anschauen oder Grundkenntnisse in Buchführung vermitteln. Aber dann ist es wunderbar, zu sehen, wie die Menschen ihren Weg gehen.

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