Unzählige illegale Waffen bedrohen die Sicherheit der Bevölkerung in Westafrika. Die Eglise Evangélique Presbytérienne du Togo (EEPT) setzt sich gemeinsam mit anderen Organisationen für die Durchsetzung des Verbots von privatem Waffenbesitz ein.
„Sie können sich in Deutschland wahrscheinlich gar nicht vorstellen, was hier los ist", Félix Aklavon ist ziemlich erregt. "Entschuldigung, aber bei diesem Thema kann man nicht ruhig bleiben." Aklavon arbeitet ehrenamtlich für das „Bündnis der togoischen Zivilgesellschaft im Kampf gegen die Verbreitung von leichten Waffen und für den Frieden". Außerdem ist er Vize-Präsident des „Westafrikanischen Netzwerks für Friedensarbeit".
„Es gab und gibt in Westafrika viele Kriege, bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen und instabile politische Verhältnisse. Man braucht nur an Liberia, die Elfenbeinküste oder an Nigeria zu denken", sagt Félix Aklavon. „Auch bei uns in Togo ist die Situation schwierig gewesen. Seitdem zirkulieren viele Waffen illegal. Handfeuerwaffen, also Pistolen, ebenso wie leichte Waffen, kleine Maschinenpistolen. Dagegen wollen wir etwas tun."
Das Bündnis hat ein Büro in Lomé, von dem aus alle Informationen an die Mitstreiter weiter gegeben werden. Für die EEPT ist Pastor Kofi Akoussah dabei. Auch die Katholische Kirche beteiligt sich, die muslimische Union, viele Frauengruppen. „Das Problem ist, dass die meisten Leute nicht wissen, dass ihnen etwas droht durch die Waffen", meint Aklavon. „Man muss sich das mal vorstellen: es gibt mehr private Waffen als Waffen bei der Polizei und der Armee zusammengerechnet. Die Folge sind bewaffnete Überfälle und viele viele Opfer. 2005 war das schlimmste Jahr: Da sind allein in Togo 800 Menschen durch illegale Waffen gestorben."
Als Gegenaktion ist vor allem eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit nötig. Plakate wurden entwickelt, um die Bevölkerung zu informieren. In Accra/Ghana wurde eine Fernsehsendung zu diesem Thema produziert. Auch die togoische Armee und Abgeordnete des Parlaments sind daran interessiert, das Problem einzugrenzen. Es gibt in Togo ein Gesetz, das den illegalen Waffenbesitz unter Strafe stellt – genützt hat es bisher wenig. „Wir müssen auch an die Produzenten und die Händler herankommen", meint Félix Aklavon.
„ In Algerien und Nigeria werden Waffen hergestellt, auf dem Schwarzmarkt kosten sie dort 50.000 FCFA, also etwa 76 Euro. Wir müssen versuchen, den Handel zu kanalisieren, den Schmuggel zu verhindern."
Ein weiteres Problem ist die Entwaffnung. Wie soll sie konkret geschehen? Niemand will zugeben, dass er Waffen besitzt. „Hier spielt die Evangelische Kirche eine wichtige Rolle", sagt der Friedensaktivist. „Die Leute vertrauen der Kirche mehr als der Politik. Pastor Akoussah und viele andere in der EEPT sprechen in den Gemeinden, am Sonntag beim Gottesdienst über dieses Problem. Sie appellieren an die Gläubigen mit Gottes Wort, das zeigt Wirkung."
Insgesamt ist Félix Aklavon die Resonanz jedoch noch zu gering. Die CEDEAO, die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft, habe eine Konvention gegen die illegalen Waffen entworfen, die allerdings noch nicht von allen Mitgliedsstaaten unterschrieben sei. Es gäbe wenig finanzielle Unterstützung von Hilfsorganisationen aus Europa oder den USA. „In Liberia ist man da weiter, weil dort ein Krieg war", sagt er. „Aber soll es erst dazu kommen in Togo?
© Norddeutsche Mission 2008