Blindenarbeit in Kpalimé / Togo (MP 1003)

Durch die Ausbildung in Kpalimé erhalten sehbehinderte oder blinde Kinder die Chance auf eine eigenständige Zukunft.

Nach Schätzungen leben etwa sieben Millionen blinde und 21 Millionen sehbehinderte Menschen in Afrika. Ihre Lebenssituation ist extrem schwierig, denn es gibt kaum gezielte Betreuung und Förderung. In Kpalimé kümmert sich die Evangelische Kirche (EEPT) um betroffene Schülerinnen und Schüler.

„Nicht sehen zu können ist eine sehr große Beeinträchtigung. Manche Menschen verzweifeln an diesem Schicksal“, meint Mawuli Yawo Neglo, Direktor des Evangelischen Gymnasiums in Kpalimé. „Wir nehmen uns daher der Schüler an, die sehr schlecht sehen oder blind sind, und versuchen, ihnen zu helfen.“

Kpalimé liegt im Südwesten Togos, das dortige EEPT-Gymnasium ist landesweit bekannt. Vor einigen Jahren wurden die Lehrerinnen und Lehrer der Schule jedoch vor neue Herausforderungen gestellt. Ein Blindenprojekt der Baptisten in Kpalimé wurde aufgegeben, die betroffenen Kinder und Jugendlichen suchten eine neue Schule. „Wir haben nicht lange überlegt“, erzählt Neglo. „Wir sind eine christliche Schule, das bedeutet, wir kümmern uns um unsere Nächsten. Trotzdem war das nicht einfach am Anfang. Die Kollegen wussten ja nicht, was sie von den neuen Schülern erwarten konnten. Was kann ein Blinder selbst tun, wo braucht er Unterstützung? Inzwischen haben wir alle viel gelernt, aber es gibt auch immer wieder neue Situationen. Und dann müssen wir gemeinsam Lösungen finden.“

In jedem Jahrgang des Gymnasiums in Kpalimé sind mittlerweile Schülerinnen und Schüler, die sehbehindert oder blind sind. Insgesamt sind es siebzehn. Die Ursachen für die Erblindungen sind vielfältig: Bakterielle Entzündungen durch mangelnde Hygiene, Vitamin-A-Mangel wegen Fehlernährung, Flussblindheit oder Grüner Star. Das Konzept der Schule sieht vor, die betroffenen Schüler zu integrieren, also keinen Sonderunterricht abzuhalten. Allerdings werden stundenweise Spezialblindenlehrer eingesetzt. Ein extra Raum ist für den Unterricht in Braille-Schrift vorgesehen. Diese Schrift besteht aus Punktmustern, die von hinten in das Papier gepresst sind, so dass die Erhöhung mit den Fingerspitzen gefühlt werden kann. „Die Braille-Schreibmaschinen sind ziemlich laut“, erklärt Yawo Neglo. „Das würde die anderen Schüler stören. Deshalb haben wir für diesen Zweck einen anderen Klassenraum.“

Ein großes Problem stellt die materielle Versorgung dar. Die Familien der Betroffenen sind zumeist sehr arm. Sie haben nicht nur Schwierigkeiten, das Schulgeld aufzubringen, sondern häufig fehlt es sogar an ausreichender Nahrung und Kleidung. „Das ist immer wieder schwierig“, seufzt der Direktor. „Zum Teil haben wir dann mit Spenden der EEPT oder des Rotary Clubs helfen können. Aber wir wollen nicht aufgeben. Eine gute Schulausbildung ist die einzige Chance für diese Schüler. Wenn sie den Abschluss haben, können sie zum Beispiel im Sozialministerium oder an der Universität arbeiten. Ohne Ausbildung bleibt ihnen in ihrer Lage nur das Betteln.“

© Norddeutsche Mission 2009