Blindenarbeit in Kpalimé / Togo (MP 1206)

Die sehenden Kinder lesen den Kindern mit Sehproblemen vor, was auf der Tafel steht.

Die Eglise Evangélique Presbytérienne du Togo unterhält mehrere Gymnasien. Ein besonderes Collège findet man in Kpalimé, nordwestlich der Hauptstadt Lomé,  wo sehende und blinde Schüler gemeinsam unterrichtet werden.

Das Schulgelände sieht sehr gepflegt aus. Büsche sind zwischen den Gebäuden gepflanzt, einige Bäume spenden Schatten. Komi Gavlo ist der Direktor des Evangelischen Gymnasiums. „Ich bin erst seit September 2010 hier, vorher war ich am Collège in Lomé. Aber ich habe sehr gerne gewechselt. Erstens ist das Klima hier viel besser“, lacht der 46jährige. „Und zweitens habe ich eine Ausbildung in der Betreuung von Blinden gemacht. Das möchte ich natürlich auch mal anwenden können.“

Die weiterführende Schule in Kpalimé hat 669 Schülerinnen und Schüler. Zwanzig von ihnen sind blind, darunter fünf Mädchen. Manche können seit ihrer Geburt nicht sehen, einige haben ihr Augenlicht durch eine Krankheit verloren. „Wir haben hier bewusst ein integratives Modell“, erzählt der Schulleiter. „Das heißt, es gibt keine Extra-Klassen für die Sehbehinderten. Sie werden in verschiedenen Klassen ihrem Alter entsprechend mit anderen sehenden Schülern gemeinsam unterrichtet.“ Im Unterricht gäbe es keinerlei Probleme, der Unterrichtsstoff sei gleich bis auf wenige Ausnahmen. So würden die Blinden zwar Mathematik, aber keine Geometrie erlernen. Ansonsten schrieben die nicht-sehenden Schüler im Unterricht auf einer Art Braille-Schreibmaschine mit. Und die Mitschüler diktierten ihnen das, was die Lehrer an die Tafel schreiben. „Wir brauchen natürlich eine zusätzliche Ausstattung, zum Beispiel spezielle Taschenrechner oder Schreibgeräte für Blinde. Deshalb sind wir froh, dass uns die Norddeutsche Mission auch mit einem Kleinprojekt unterstützt hat“, berichtet der Direktor. „Die Betroffenen klären selbst ihren Bedarf zu Beginn des Schuljahres, und wir versuchen dann Zuschussgeber in Deutschland oder auch Italien für die jeweiligen Bücher in Braille-Schrift oder anderen Dinge zu finden.“ 

Die meisten der blinden Schülerinnen und Schüler wohnen im Collège. Zum Teil, weil sie von außerhalb kommen, zum Teil aber auch, weil sie in ihren Familien nicht gern gesehen werden. Traditioneller Weise überlässt man in Afrika Blinde und  Menschen mit anderen Behinderungen meist sich selbst. Wer nicht zum Lebensunterhalt der Familie beitragen kann, hat es sehr schwer. Daher ist für viele das Collège Protestante in Kpalimé eine neue Welt voller Hoffnung und ungeahnter Möglichkeiten.

Die blinden Schülerinnen und Schüler von Kpalimé sind sehr erfolgreich. Alle erreichen einen Schulabschluss, manche studieren, werden zum Beispiel Lehrer, andere machen eine Ausbildung, etwa zum Physiotherapeuten. Blinde könnten fast alles lernen, was Sehende können, meint der Schulleiter. So würden die Blinden auch selbständig ihr Essen zubereiten, Yams zu Fufu stampfen und das scharfe Gewürz Piment mahlen. „Ich würde sagen, hier ist die Integration wirklich gelungen“, so Komi Gavlo. „Sie sollten sehen, was passiert, wenn die sehenden Schüler einer Klasse Unsinn gemacht haben und nachsitzen müssen. Die Blinden bestehen darauf, auch nachzusitzen. Anderenfalls würden sie diskriminiert, sagen sie. Wenn das kein Erfolg ist!“

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