Bethesda - Krankenhaus am Agou - Berg / Togo (MP 1307)

Durch eine Geburt im Bethesda-Krankenhaus können Komplikationen vermieden und die Säuglingssterblichkeit gesenkt werden.

Auf dem Land gibt es überall in Afrika kleine Gesundheitsstationen. Für schwerere Fälle benötigt die Bevölkerung aber auch ein gut ausgestattetes Krankenhaus. Die Eglise Evangélique Presbytérienne du Togo unterhält daher das Bethesda-Hospital am Agou-Berg.

Auch wenn Anani Kuadjovi schon einige Jahre Direktor des Bethesda-Krankenhauses ist – noch immer geht er gern über das Gelände und zeigt Besuchern die verschiedenen Stationen der Einrichtung. „Bereits 1969 wurde das Hospital gegründet, vorher war an dieser Stelle nur eine Krankenstation. In der Anfangszeit haben auch Ärzte aus Deutschland hier gearbeitet.“Damals waren die Behandlungsgebühren geringer, da die deutschen Ärzte auf der Gehaltsliste ihrer aussendenden Organisationen standen. Die Medikamente gab es zum Teil kostenlos. Heute besteht das Personal aus Einheimischen, die vom Krankenhaus bezahlt werden müssen. Gleichzeitig ist die Bevölkerung ärmer geworden, weil die Ernteerträge für Kaffee und Kakao geringer sind und der Weltmarktpreis gefallen ist.

„Viele Patienten können die Kosten für die Behandlung und die Medizin nicht aufbringen“, erzählt der Direktor. „Aber wir sind ein christliches Krankenhaus. Wir helfen. Wenn eine hochschwangere Frau mit Komplikationen zu uns kommt, entscheidet sich der behandelnde Arzt möglicherweise für einen Kaiserschnitt. Das ist teuer für das Krankenhaus. Trotzdem operieren wir sofort und erstellen danach die Rechnung. Das Gleiche gilt für Unfälle. Wir können doch die Schwerverletzten nicht erst fragen, ob sie auch die Kosten tragen können. Es gilt immer erst, das Leben zu retten.“Viele Menschen versuchen auch, aus finanziellen Gründen so lange wie möglich das Krankenhaus zu vermeiden. Sie suchen den Heiler im Dorf auf. Bei leichteren Krankheiten ist eine Behandlung mit Kräutern durchaus möglich, aber in schwereren Fällen ist ärztliche Hilfe unverzichtbar. Zum Teil wird die Behandlung auch noch komplizierter, weil die Krankheit zu lange verschleppt worden ist.

„Wir sind da in einem Dilemma“, meint Kuadjovi. „Auf der einen Seite macht es eben wirklich den Unterschied zu anderen Krankenhäusern aus, dass wir verständnisvoller mit den finanziellen Möglichkeiten der Patienten umgehen. Wir als Kirche haben eben einen Auftrag. Aber andererseits denke ich manchmal: ‚Wir retten Leben, aber wovon leben wir?’ Was sage ich einem Arzt, der dringend etwas für seine Arbeit anschaffen muss oder der sich seit Monaten mit kaputten Kühlgeräten herumschlägt? Und gleichzeitig haben wir wieder jemanden kostenlos behandelt. Wir bekommen ja schon viel Unterstützung aus Deutschland, aber es reicht nicht. Ich muss häufig von Tag zu Tag denken, immer neue Löcher stopfen.

“Zurzeit hat das Krankenhaus 110 Betten. Behandelt wird in Innerer Medizin, Gynäkologie, Chirurgie, Kinderheilkunde, Traumatologie, Urologie, Augenheilkunde und Zahnmedizin. Während noch 2007 sechs Ärzte beschäftigt waren, sind es im Augenblick nur drei. Dazu kommen 39 Beschäftigte, die als Krankenschwester, Hebamme, in der Radiologie oder im Labor arbeiten.„In der Gynäkologie haben wir zunehmend mehr zu tun.“ Anani Kuadjovi seufzt. „Viele Mütter gehen nicht mehr zu den Vorsorgeuntersuchungen, weil sie das Geld sparen wollen. Dann ergeben sich Komplikationen, mit denen niemand gerechnet hat. Auch die Zahl der Kaiserschnitte steigt deshalb. Und für uns das leidige Problem des Geldeintreibens. Neulich hatten wir eine Frau, die nach einem Kaiserschnitt 135.000 FCFA (= 200 Euro) bezahlen sollte. Sie sagte, ihre Eltern würden ihr aushelfen. Die kamen dann mit 10.000 FCFA. Ich habe ihnen gesagt, dass das nicht reicht. Dann haben sie noch mal 15.000 FCFA bezahlt. Als wir am nächsten Tag nach der Patientin gesehen haben, war sie mit ihrem Baby verschwunden. Was sollen wir da tun?“

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