Gemeinsame Mission in unterschiedlichen Kontexten

Vor über 160 Jahren begann die Arbeit der Norddeutschen Mission in Westafrika. Seit 2001 sind die aus dieser Mission hervorgegangenen Kirchen gleichberechtigte Mitglieder des gemeinsamen Missionswerkes.
Was verbindet sie heute, über die gemeinsame Geschichte hinaus?
Welches ist ihr gemeinsamen Auftrag als Kirchen in Deutschland, Ghana und Togo?

Auf der theologischen Konsultationvom 6. bis 9. Juni 2005 in Haus Meedland auf Langeoog wurde deshalb zunächst nach den missionarischen Kontexten in Afrika und Deutschland gefragt. Augenfällig ist hier vor allem, wie unterschiedlich der Zugang zu dieser Fragestellung ist. Während Jann Schmidt den gesamtgesellschaftlichen Rahmen in Deutschland als Herausforderung für die Kirche darstellt, brennt in Togo die aktuelle politische Situation unter den Nägeln.

Die theologischen Überlegungen unterscheiden sich vor allem in der Einordnung der Mission als Teil kirchlichen Handelns. Louis-Ferdinand von Zobeltitz stellt den dialogischen, offenen und ökumenischen Charakter der Mission dar, nachdem der falsche Gegensatz von Ökumene oder Mission, der lange Jahre die kirchliche Diskussion geprägt hatte, überwunden ist.

Auch in diesem Sinne sind die beiden Thesenreihen von den Moderatoren Dr. Gerson Kodjo Bessa und Dr. Livingstone Komla Buama aus Togo und Ghana  zu verstehen, die „Partnerschaft“ als Basis gegenseitiger Hilfe und gemeinsamen Handelns für die Mission der Kirchen in den Vordergrund stellen.

Der ausführlichste und damit auch grundlegendste Vortrag ist von Klaus Schäfer und ordnet die Frage nach einer gemeinsamen Mission missionstheologisch (missio dei) und in die aktuellen Herausforderungen der Globalisierung ein. Die langjährige gemeinsame Geschichte und die gemeinsamen gegenwärtigen Herausforderungen müssen in eine gemeinsame Vision unserer Mission münden, in der wir uns als eine Gemeinschaft der Erkenntnis (Community of discernment) verstehen. In diesem Sinne bedürfen wir uns als Partner, als Korrektiv gegenüber den blinden Flecken, als gegenseitige Herausforderung und Befragung, um uns zu begleiten und um uns als Quelle der Bereicherung und Solidarität in unserer eigenen und gemeinsamen Pilgerschaft in der Mission zu stärken.

Die Projektberichte, die auf der Konsultation als Konkretion gedacht waren, zeigen die Vielschichtigkeit missionarischen Handelns der Kirche: gesellschaftlich/diakonische Aktion (Umsonst-Laden), lokale und weltweite Ökumene, (Ökumenisches Zentrum Oldenburg), Aus- und Fortbildung (CEPROFORE in Togo), gottesdienstliche Erneuerung (C-plus) oder gesellschaftliche Präsenz von Kirche über die Parochialgemeinde hinaus (Kapitel 8).

Inspirierend waren auch die Bibelarbeiten, bei denen auch die Auswahl der biblischen Texte auf die Verschiedenartigkeit der Mission hinweist: Gegründet in der Identität Christi als Handelnder (Lukas 7, 18-23; Bessa), als Zeugnis der Solidarität (1. Petr. 3, 8-17; Ben-Naimah) oder als Vermittlungsprozess von Generation zu Generation (Dtn. 6, 20-25; Töllner).

Eine Dokumentation aller Vorträge und Texte können Sie Startet das Herunterladen der Dateihier herunterladen.

Erklärung

Auf der 4-tägigen Konsultation wurde eine Startet das Herunterladen der Dateigemeinsame Erklärung verfasst, die sowohl gemeinsame theologische Überzeugungen wie auch praktische Vereinbarungen über die Zukunft unserer gemeinsamen Mission enthält. In ihr wird deutlich, dass aus einer gemeinsamen Geschichte gewachsene Partnerschaft heute eine gemeinsame Aufgabe in der Mission erwächst. Sie wird in verschiedenen Kontexten auch unterschiedlich wahrgenommen. Sie ist aber trotzdem darin gemeinschaftlich und konkret, dass sie ihre Gemeinschaft miteinander zelebriert (Partnerschaftssonntag) und sich wechselseitig zur Mission ermutigt und befähigt.


Hannes Menke
Generalsekretär der
Norddeutschen Mission